ASTHANGA - DIE ACHT ARME DES YOGA
Auf die Frage was das Wesen der Welt sei antwortete der Buddha:"Sehen, Fühlen, Schmecken, Riechen, Hören und Denken."
Sri Patanjali, Verfasser der Yoga-Sutras, beschreibt sieben Stufen
die der Yogi bis zu seinem endgültigen Ziel, der achten Stufe, dem Samadhi, überschreiten muß.
Samadhi ist synonym mit 'citta-vrtti-nirodha'
(auf Deutsch: das zur Ruhe kommen der Bewegungen des Geistes).
Die Bewegungen des Geistes entstehen durch Reaktion auf das,
was uns durch die Sinne ununterbrochen vermittelt wird.
So gehen die Sinne tagtäglich mit unserem Geist spazieren (Denken)
und wir, als das eigentliche 'Ich', das Bewußtsein,
müssen mit.
Dies geschieht, solange die Illusion besteht,
dass ich jemand bin, der die Eindrücke der Sinne und des Denkens als individuelles, vom Rest der Welt getrenntes Wesen wahrnimmt.
Anders ausgedrückt:
solange Bewusstsein und das, was das Bewusstsein wahrnimmt,
voneinander getrennt sind, besteht Illusion.
Yoga Sutram, II, 20:
Der Seher (ist) nichts als das Sehen; obwohl rein, nimmt er die (sich ihm darbietenden) Vorstellungen auf.
In dem Augenblick in dem Seher und Gesehenes als Objekte erkannt werden,
die nicht getrennt voneinander existieren können, wird deutlich,
das der vermeintliche Ursprung unserer Wahrnehmung,
unser 'Ich' (unsere Gedanken, unsere Gefühle),
nur eine von vielen citta-vrttis ist,
die sich in ständiger Wechselwirkung gegenseitig beeinflussen und
fortwährend entstehen und vergehen.
Die Idee eines individuellen Ich's kann nach dieser Erkenntnis
nicht mehr aufrechterhalten werden.
Ohne die Ich-Illusion als Bezugspunkt können die citta-vrttis sich nicht mehr fortpflanzen und verschwinden ohne ersetzt zu werden.
Yoga Sutram, I, 3:
Dann verweilt der Seher in der eigenen (wahren) Natur.
Im Samadhi erfüllen sich alle gebotenen und
im folgenden erläuterten Lebensregeln von selbst.
Darum muß ein erleuchteter Yogi keine Selbstkontrolle mehr üben
und sich überwinden um nach diesen Ordnungen zu leben.
Ihm sind diese Handlungen und Gebote selbstverständlich.
Auch wenn er sie nicht mehr kennen oder benennen muß,
ja, diese jetzt sogar bedeutungslos für ihn geworden sind,
ist er ein leuchtendes Beispiel für die vollkommene moralische und sittliche Lebensführung,
die hier in den Patanjali Yoga Sutren als acht Arme des Yoga bezeichnet,
gefordert wird.
1. DER ACHT ARME: YAMA-SITTLICHE LEBENSFÜHRUNG
Yama regelt die Beziehung des Yogis mit seiner Umwelt.
Alle folgenden Gebote (auch die über Yama hinaus) sind nötig,
weil der Mensch an den Sinnen haftet.
Die Gebote schützen den Praktizierenden vor Verwirrung,
die durch Handlungen aus einer illusionären Sichtweise heraus, entsteht.
Der erleuchtete Yogi wird selbst wenn er eines diese Gebote (anscheinend) bricht nicht beschmutzt,
weil er die Welt (prakriti) so sieht wie sie wahrhaftig ist
und von ihr nicht geblendet werden kann.
Sein Tun ist aus dieser Sicht gesehen immer vollkommen.
Wir, die von Täuschung verwirrt sind und diesen Zustand beenden wollen,
tun gut daran uns nach den empfohlenen Regeln zu richten.
Die Gebote sittlicher Lebensführung beinhalten:
Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Nicht-Stehlen, Enthaltsamkeit, Begierdelosigkeit
(Sanskrit: Ahimsa, Satya, Asteya, Brahmacharya, Aparigraha)
Ahimsa – Nicht schädigen
Auch mit Gewaltlosigkeit übersetzbar. Das Wort bezeichnet jedoch nach Iyengar (ein bekannter indischer Yogalehrer) weniger das Nicht-Schädigen an sich, als die innere Grundhaltung die dahinter steht. Liebe.
Das beantwortet für mich auch die oft auftretende Frage ob Gewalt denn generell zu verurteilen sei oder ob sie z.B. zum Schutz vor der Gewalt anderer eine Berechtigung hat.
Eine Handlung die aus Liebe geschieht ist immer konstruktiv, sie vereint statt zu trennen.
Liebe wird Gewalt zu jedem Zeitpunkt ablehnen, wohlwissend, dass sie manchmal leider nötig ist um dort Liebe und Erkenntnis hervorzubringen wo bisher noch keine sind..
Ahimsa ist gekennzeichnet, durch die Abwesenheit von Hass und Ablehnung und durch die Anwesenheit von bedingungsloser Liebe und bedingungsloser Bejahung.
Sind diese Charaktereigenschaften im Yogi verwurzelt dann wird keine seiner Handlungen darauf abgerichtet sein, ein anderes Wesen zu schädigen.
"An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." Jesus
Solange sie es nicht sind, muß er den direkten Sinn des Wortes befolgen und sich jeder Gewaltanwendung enthalten so weit er kann.
Yoga Sutram, II, 35:
Das Feststehen (des Yogin) im Nicht-Schädigen (bewirkt) das Aufgeben der Feindschaft in seiner Gegenwart.
Satya – Wahrhaftigkeit
Wahrheit ist, gleichwertig neben der Liebe, die wichtigste Eigenschaft die der Yogi in sich pflegen muß. Erkenntnis kann nicht ohne Wahrheit sein, darum kann der Yogi nur dann Vollkommenheit erlangen, wenn er die Wahrheit in sich als das höchste Ziel erkennt.
Wenn der Yogi fortschreitet, erkennt er, daß Wahrheit und Vollkommenheit eins sind.
Darum ist Wahrhaftigkeit für den Yoga unerläßlich. Falsche Rede, Leugnung oder Verdrehung von Tatsachen und Rede ohne echten Sinngehalt ('Smalltalk', 'Bullshiting') sind Handlungen die aus selbstsüchtigen Motiven heraus entstehen.
Der Yogi bemüht sich jede Form der Illusion zu überwinden und bleibt darum in allem was er sagt und tut wahrhaftig und aufrichtig weil er weiß daß alleine das was wahr ist auch wirklich ist.
Durch Wahrhaftigkeit erlangt der Yogi innere Festigkeit, Mut, Erkenntnis und Selbstbewußtsein. Er wird von anderen Menschen beachtet und geschätzt.
Yoga Sutram, II, 36:
Das Feststehen in der Wahrhaftigkeit (bewirkt) das (unmittelbare) Zuteilwerden der Früchte der Taten.
Asteya – Nicht stehlen
Der Yogi wünscht sich nur was er zum Leben wirklich braucht. Er empfindet alle weltlichen Kostbarkeiten als Belastung sobald sie für ihn nicht mehr notwendig sind.
Er wünscht seinen Geist rein und klar zu erhalten und sein Verlangen nach Dingen, die ihn lediglich ablenken, abzulegen.
Darum enthält er sich allem Luxus und verlangt für sich nur das was seiner einzigen Mission, der Vollkommenheit, nützlich ist. Allen darüber hinausgehenden Besitz empfindet er als Diebstahl an sich selbst und anderen.
Yoga Sutram, II, 37:
Das Feststehen im Nicht-Stehlen (bewirkt) das Herantreten aller Schätze.
Brahmacarya – Enthaltsamkeit
Indem der Yogi immer mehr von Gottes Herrlichkeit erkennt wird er zunehmend davon gefesselt.
Weltliche Vergnügungen wie Sexualität verlieren ihren Reiz, weil sie in ihrem Genuß unvollkommen sind und weil sie dadurch den Menschen unbefriedigt lassen, so daß er sich bald nach weiterer Sinnesbefriedigung sehnt.
Wenn der Yogi nur von der reinen Glückseligkeit Gottes gekostet hat, in der es keine Schuld und kein Karma gibt, hütet er sich davor seinen reinen Geist durch unvollkommenes Handeln zu beschmutzen.
Ist der Yogi dagegen fest im Samadhi verwurzelt hat die Welt ihren zerstörerischen Einfluß auf seinen Geist verloren.
Sexualität wird darum, wenn sie dann doch noch stattfindet, zu einem reinen und kosmischen Akt, durch den reine Früchte hervorgebracht werden.
Indem ich diesen Satz schreibe, bringe ich den Leser in die Gefahr, durch Missverständnis weitere Anhaftung zu entwickeln und zu glauben daß Ziel des Yoga sei Sexualität. Davor hüten sich die meisten heiligen Schriften und ziehen es oft vor, diese für den Yoga fast unerhebliche Aussage ganz herauszulassen, denn er bedeutet in seiner Essenz dass der Yogi jegliches Verlangen nach weltlicher Befriedigung überwunden hat. Alles was er tut ist vollkommen. Alles was er tut ist Gottes Wille wodurch er in jedem Augenblick göttliche Glückseligkeit verwirklicht.
Sexuelle Befriedigung ist ihm bedeutungslos, da für ihn die Segnungen die ihm aus der Verschmelzung mit der Göttlichkeit in ihm und um ihn herum zuteil werden ungleich mehr befriedigend sind.
Yoga Sutram, II, 38:
Das Feststehen in der Enthaltsamkeit (bewirkt) das Erlangen von Kraft.
Aparigraha – Nicht Besitzergreifen
Dieses Gebot ist Asteya im äußerlichen sehr ähnlich, der Sinn ist hier jedoch ein anderer. 'Besitzergreifen' kann man auch synonym mit 'Anhaften' übersetzen. Anhaftung ist die Wurzel der Illusion und des Karma.
Der erlöste Yogi ist sich selbst in jedem Augenblick genug. Er weiß das alles Gott gehört und er durch seinen inneren göttlichen Funken an allem was Gottes ist teil hat. Mehr noch. Weil er in allen Dingen (Prakriti) seinen göttlichen Herrn (Purusha) wiedererkennt sind ihm alle Dinge gleich heilig und kostbar. Indem er nicht mehr zwischen 'wertvoll' und 'wertlos' unterscheidet bleibt er frei von Sorgen und heiter und gelassen.
Mit aller Anhaftung an weltlichen Besitz den ein Mensch aufgibt, wird er ein Stück freier.
Der Yogi ist innerlich nackt und besitzlos wie ein neugeborenes Kind und dabei zufrieden und glücklich wie ein König. Er macht sich keine Sorgen um die Zukunft und bedauert nicht die Vergangenheit, so dass er völlig im Augenblick lebt.
Yoga Sutram, II, 39:
Das Feststehen in Nicht-Besitzergreifen (bewirkt) die Einsicht in das 'Wie und Warum' der (eigenen) Geburten.
2. DER ACHT ARME: NIYAMA-INNERE DISZIPLIN
Yama und Niyama stellen also Prinzipien dar, die ganz selbstverständlich aus der inneren Haltung des Yogis heraus von ihm gelebt werden sollten. Das gilt es zu beachten.
Der Asthanga-Yoga stellt tatsächlich eine Stufenleiter dar, bei der, ganz linear, die höheren Stufen auf die niederen folgen. Yama und Niyama sind die Grundlagen des Yoga. Gleichzeitig sind sie aber erst dann vollkommen im Yogi realisiert, wenn dieser selbst Vollkommenheit erlangt hat. Darum sind sie auch als Gradmesser anzusehen an denen der Yogi seinen eigenen Fortschritt ermessen kann.
In diesem Sinne sind Yama und Niyama für den Yogi nur Äußerlichkeiten die zwar wichtig und unbedingt erstrebenswert sind, aber ebenfalls die Gefahr der Anhaftung beinhalten, wenn er darüber nämlich sein eigentliches Ziel vergißt, die innere Vollkommenheit, welche alle diese Eigenschaften in sich vereint.
Die Verhaltensregeln des Niyama sind:
Reinheit, Zufriedenheit, Strenge, Svadhaya, Ishvara-Pranidhana
(Sanskrit: Shaucha, Santosha, Tapas, Svadhaya, Ishvara-Pranidhana):
Shaucha – (Innere und äußere Reinheit)
Indem der Yogi seinen Körper und seinen Geist reinhält durch Asana, Pranayama, rechte Nahrung, rechtes Denken (Ahimsa), rechtes Reden (Satya) usw. enthält er sich der Verwirrungen der Welt.
Ist die Reinheit fortgeschritten dann kann sich der Yogi an dem Akt der Reinigung und der Reinheit an sich erfreuen, denn sie bringt ihm Gott näher. Sie ist ihm ein wichtiger und befreiender Dienst in seiner Hingabe an Gott (Ishvara-Pranidhana).
Yoga Sutram, II, 40 und 41:
Aus der (inneren und äußeren) Reinheit (entsteht) der Wunsch, den eigenen Körper zu bedecken (d.h. zu schützen) und nicht mit anderen in Kontakt zu kommen.
Auch entsteht daraus Reinheit des Wesens, innere Heiterkeit, die Einspitzigkeit des Geistes, die Beherrschung der Sinne (und) die Fähigkeit zur Schau des Selbst.
Santosha – Zufriedenheit
Indem der Yogi zufrieden ist schwindet sein Verlangen. Er begnügt sich mit dem was er hat ohne nach weiteren Gütern und Erfahrungen zu streben.
Indem er zufrieden ist mit dem was er hat ist er zufrieden mit dem was er ist. Zufriedenheit ist wiederum eine wichtige Grundlage von Gewaltlosigkeit .
Indem der Yogi erkennt, daß er immer genau das hat was er braucht um zufrieden zu sein, begreift er den Überfluss an Glück, der der Welt zueigen ist.
Yoga Sutram, II, 42:
Aus der Zufriedenheit (entsteht) das Erlangen höchsten Glücks.
Tapas – Askese
Tapas bezeichnet das brennende Verlangen des Yogis Vollkommenheit zu erreichen und Gottes Willen zu erfüllen. Er lehnt jede unnötige Ablenkung ab und konzentriert sich ganz auf Gott.
Yoga Sutram, II, 43:
Aus der Askese (entsteht) aufgrund des Schwindens der Unreinheit die Vollkommenheit von Körper und Sinnen.
Svadhyaya – eigenes Studium
Um Wahrheit zu finden, kann sich der Yogi nicht allein auf das Wort anderer verlassen. Der Yogi will nicht glauben, sondern wissen ('Satya'). Darum kann er sich mit den Gedanken anderer auseinandersetzen und von ihnen lernen, die Verantwortung zu erkennen was wahr ist oder nicht, liegt jedoch stets bei ihm.
Yoga Sutram, II, 44: Aus dem eigenen Studium (entsteht) die Verbindung mit der erwählten Gottheit.
Ishvara-Pranidhana – Hingabe an Gott
Indem der Yogi alles was er ist und tut Gott übergibt, erkennt er Gott in allem und sich selbst in Gott. Durch die Hingabe an den Herrn überwindet er die Trennung des Geistes.
Yoga Sutram, II, 45:
Aus der Hingabe an den Herrn (entsteht) die Vollkommenheit der Versenkung.
3. DER ACHT ARME: ASANA-STELLUNG, HALTUNG
Durch Asana reinigt, stärkt und heilt der Yogi seinen Körper.
Ein gesunder und starker Körper ist die Voraussetzung für die Arbeit des Yogis an sich selbst. Indem er den Körper reinigt, reinigt er seinen Geist.
Störungen im Körper verursachen Störungen im Geist und umgekehrt,
ist jedoch der Geist gestört verursacht er Identifizierung.
Darum pflegt der Yogi seinen Körper und erzieht ihn durch Asana zu einem geeigneten Fahrzeug seines Herrn.
Im Bewußtsein, dass sein Körper existiert um Gottes Willen zu erfüllen, pflegt er seine körperliche Hülle wie einen heiligen Tempel.
4. DER ACHT ARME: PRANAYAMA-ATEMKONTROLLE
Indem der Yogi seinen Atem beherrscht, kontrolliert er die Bewegungen seines Geistes. Wenn wir uns unruhig fühlen, atmen wir schnell und wenn wir entspannt sind, atmen wir langsam.
Prana bedeutet nicht nur Atem, sondern auch Energie und damit ist deutlich gemacht, dass der Atem bei allen Prozessen in Körper und Geist, denen immer eine bestimme Form von Energie zu Grunde liegt, eine zentrale Rolle spielt.
Durch Pranayama kann der Yogi seine Stimmungen, seine geistige Wachheit und seine Körpersysteme beeinflussen.
Pranayama ist eines der wichtigsten Werkzeuge zur Erlangen von Selbstbeherrschung.
Erst in einem ruhigen und klaren Atemrhythmus (Pranayama) in einem gesunden Körper (Asana) finden wir den Raum um ungestört in die nun folgenden Zustände der Meditation einzutauchen.
5. DER ACHT ARME: PRATYAHARA-ZURÜCKZIEHEN DER SINNE
Wenn der Yogi Yama, Niyama, Asana und Pranayama eine Zeit geübt hat erlangt er die Fähigkeit seine Sinne von den Objekten der Welt zurückzuziehen. Dadurch ermöglicht er dem Geist sich zu beruhigen ohne durch weiter Einflüsse der Prakriti abgelenkt zu werden. Dies ist die erste höhere Grundlage der Meditation.
Hat der Yogi Pratyahara gemeistert, beginnt er den tieferen Sinn der Prakriti und der Gebote für den Umgang mit ihr zu verstehen.
6. DER ACHT ARME: DHARANA-KONZENTRATION
Dies ist die zweite Grundlage der Meditation. In Konzentration ist der Geist punktförmig auf ein Objekt gerichtet. Das kann z.B. eine Tätigkeit, eine Aufgabe, ein Ziel oder eine Visualisierung sein.
Je nachdem welches der drei Gunas (Tamas - Unrein. Rajas - Bewegt, Sattvas - Rein) in dem Objekt vorwiegt auf das die Konzentration gerichtet ist, wirkt sie auf den Geist klärend oder verunreinigend.
Für die Meditation ist darum alleine Sattva-Guna zu gebrauchen.
Konzentration entsteht, wenn der Geist ca. 12 Sekunden auf ein Objekt gerichtet ist.
7. DER ACHT ARME: DHYANA-MEDITATION
Meditation entsteht nach einer Zeit der Konzentration von etwa 2 Minuten .
In der Meditation vereinigen sich das Objekt der Meditation und der Meditierende.
Dies geschieht, weil das Bewußtsein und der Inhalt des Bewußtseins nicht trennbar sind.
Wenn das Bewußtsein nicht mehr von vielen verschiedenen Inhalten erfüllt ist, sondern nur noch von einem einzigen, tritt diese Tatsache deutlich erfahrbar hervor.
In Meditation erfährt der Mensch Glückseligkeit, weil er in dieser Zeit von der Trennung zwischen Ihm selbst und der Welt befreit wird.
8. DER ACHT ARME: SAMADHI-ERLEUCHTUNG
Wenn der Geist eine halbe Stunde in Meditation ohne Unterbrechung auf ein Objekt gerichtet wird, tritt der Yogi in Samadhi ein.
In Meditation existierte ein Objekt mit dem der Meditierende eins wurde. Es fand also noch Erkenntnis, die auf Dualität beruht, statt. Dies wird im Nachhinein erkennbar, wenn der Meditierende über seine Einheitserfahrung berichten kann.
Im Samadhi löst sich nun der kristallklar und durchsichtig gewordene Geist völlig auf.
Erkennender und Erkanntes werden eins und kehren in ihren Urzustand, das Unerschaffene, zurück.
Das Bewußtsein kann keine Trennung mehr produzieren, dadurch hört jeglicher Erkenntnisprozess schlagartig auf. Das Wesen des Yogis ist in sich selbst nach Hause gekehrt - zu Gott.
Selbst im Samadhi können jedoch noch Restgedanken bestehen, die neue Identifizierungen hervorbringen. In diesem Fall kann der Yogi nach einiger Zeit wieder durch die Prakrikti getäuscht werden und muß sich wieder zum Samadhi hinarbeiten.
Dies ist Savikalpa-Samadhi, der Samadhi mit Keim. Hier ist nach buddhistischem Glauben, die Grenze, zwischen dem Boddhisattva, der auf Erleuchtung verzichtet um Gott in der Welt zu dienen, und dem Buddha, der mit Gott wieder vollkommen eins geworden ist. Das was dahinter liegt, ist Nirvikalpa-Samadhi. Hier gibt es keine Identifizierungen mehr, das Ego des Yogis, wurde vollkommen zerstört. Es gibt keine Möglichkeiten mehr neue Identifizierungen zu bilden.
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