WARUM FRAUEN IMMER SO NACHTRAGEND SIND
Der folgende Gedankengang beruht teilweise auf Klischees. Das ist meiner Ansicht nach auch in Ordnung so und soll hier nicht Diskussionsgegenstand werden. Tatsächlich mischen sich in der Wirklichkeit immer alle Formen miteinander. Um Kompliziertes leichter verständlich zu machen, sind Vereinfachungen aber sehr hilfreich. (1)
Nach meiner Erfahrung sind Frauen nach unschön erlebten Trennungen von Beziehungen. Das könnte damit zusammenhängen, dass Männer oft mehr dazu neigen die Welt durch die linke, logische Gehirnhälfte zu betrachten und Frauen eher durch die rechte, intuitive Hälfte.
Um uns emotional und mental von den Folgen zu befreien, die negative Erfahrungen mit anderen Menschen in uns verursacht haben, hilft meiner Einschätzung nach nur eins: Erst Verständnis, dann daraus folgend, Vergebung.
Das ist schon mal oft nicht so einfach.
Was es aber für alle Menschen noch zusätzlich schwerer macht Vergebung zu üben ist, dass wir immer selber zu einem Teil mitverantwortlich sind, überhaupt in diese Lage gekommen zu sein. Hier fällt es den meisten noch viel schwerer die oben genannte Formel auszuführen, weil die Frage nach der eigenen Verantwortung das bisherige Selbstbild bedroht.
Jede Situation, in der wir uns als Opfer fühlen, fordert uns auf diesem Weg immer gleichzeitig auf, nach unserer eigenen Täterschaft zu fragen.
Darum ist die Formel hier erweitert: Einsicht->Verständnis->Vergebung/Milde
Im Rückblick, hat der mehr durch Logik handelnde Mensch es leichter Gründe für sein Verhalten zu finden. Er hatte ja schon damals Gründe, die er sich jetzt wieder vergegenwärtigen kann.
Er kann sich sagen, „Ja, damals habe ich so und so gehandelt, weil ich so und so gedacht habe.“
Die Folgen seiner Handlung kann er positiv oder negativ bewerten, aber weil er einen logischen Grund dafür kennt, kann er verhältnismäßig leicht Einsicht üben und daraus einen Lerneffekt erzielen.
Von der Position des dann intellektuell reiferen Menschen aus, fällt es relativ leicht dem unreiferen Menschen, der man früher war und der damals nach seiner begrenzteren Erfahrung handelte, zu verzeihen.
Hat man sich erst seine eigene Schuld eingestanden und den Großmut gehabt sich selbst zu vergeben, ist die Erleichterung und Freude oft so groß, dass auch dem anderen leichter vergeben werden kann.
Der Mensch, der Entscheidungen danach trifft, wie er sich fühlt, (also klischeehaft: die Frau) kann hinterher nicht so einfach reflektieren.
Gefühle binden und vernetzen uns mit unserer Umwelt. Dass führt zu einer intensiven Erfahrung der Wirklichkeit. Beim Rückblick auf die Erlebnisse um eine schmerzvolle Erfahrung herum bieten Gefühle aber keine Gründe, warum man so gehandelt hat wie man es tat.
Die Frieden stiftende, wenn ehrlich gemeinte Frage, 'Warum?' entspringt dem Intellekt und kann nicht emotional beantwortet werden. (2)
Um Verantwortung für etwas zu übernehmen, was in der Vergangenheit oder Zukunft liegt, braucht es den Intellekt und seine Gedanken.
Mehr Begründung als, „Weil ich mich so gefühlt habe.“, können Gefühle dem analytischen Geist aber nicht bieten.
Das heißt, dass die Frau, bzw. der emotionale handelnde Mensch, eine wesentlich schwierigere Aufgabe zu bewältigen hat.
Um Ihre Verletzungen im Gefühlskörper zu heilen, gibt es keine psychische Intervention die Richtig und Falsch sortieren würde, so wie ein Chirurg am physischen Körper Knochen richtet und klaffende Wundränder näht.
Ihre Aufgabe besteht darin, zu akzeptieren, dass Sie Impulsen folgte, die in ihr mächtiger wirken, als die Vernunft.
Materialistisch würde ich diese Kräfte als die ältesten Triebe bezeichnen, die die Evolution hervorgebracht hat um Leben zu entwickeln. Hingabe, Mutterliebe, Verliebtsein, Beschützerinstinkt, Geilheit z.B. sind für die Erhaltung der Art einfach unverzichtbar.
Subjektiv betrachtet, nenne ich diese Impulse das Mysterium. Wir wissen nicht warum wir fühlen wie wir fühlen. Wir kennen niemanden der uns fühlen lässt, was wir fühlen.
Wir haben über unsere Gefühle keine unmittelbare Macht.
Und das gibt uns eine Ahnung von etwas größerem, das uns dadurch lenkt.
Darum kann die Antwort auf die Frage 'Warum?' keine sein, die durch Vernunft fassbar ist. Sie muss 'unvernünftig' sein und aus dem Reich kommen, von dem der Verstand nichts begreift.
Den Gefühlen.
Weil wir ja glauben, dass vernünftig sein besser ist als unvernünftig sein, schrecken wir vor der hier heilenden Handlung zurück und verweilen lieber in einer Art chronischem Dauerschmerz.
Die Lösung ist eine mutige Bewegung komplett in den eigenen Schmerz hinein. Die Bereitschaft das Leid völlig zu akzeptieren.
Diese Lösung lässt Sie ärgerlich mit dem Kopf schütteln? Das habe ich auch fast nicht anders erwartet.
Gedanken über Vorwurf und Schuld verstummen in dem Augenblick, wo die Hingabe an die eigene Ohnmacht total ist. Und erst, wenn es keinen Widerstand mehr gegen das eigene Leid gibt, so dass es ganz ins Bewusstsein treten darf, kann es sich wirklich entladen und beginnen sich aufzulösen.
Die Lösung liegt also nicht in einem greifbaren Konzept, sondern geschieht von selbst durch Kapitulation.
Das bisherige Selbstbild wird dabei nicht nur bedroht, es steht ganz klar vor seiner Vernichtung.
Das Vertrauen bei Sinnen aus so einer Katharsis herauszukommen gibt uns der Verstand nicht.
Darum ist so eine Entscheidung für die Hingabe IMMER irrational.
Und weil Aufgabe des Verstandes ist uns vor Gefahren zu schützen, malt er uns jetzt die schlimmsten Szenarien die drohen, wenn wir uns auf eine unbekannte Führung einlassen. (3)
Um die Klischees jetzt endgültig beiseite zu räumen.
Männer wie Frauen stehen beide immer wieder vor den Entscheidungen:
1.'Lerne ich und weiß es hinterher besser?'
2.'Lass' ich los und nehme ich an?'
Bedingungslose Liebe, das, was entsteht, wenn die Energien des Unterleibs und denen des Kopfes sich einander entgegenstrecken um sich in der Mitte der Brust vereinigen, muss immer wieder aufs Neue bestärkt werden, indem diese beiden Entscheidungen mit einem bedingungslosen 'Ja, ich will.' beantwortet werden.
Oliver Lohse, Berlin, Herbst 2009
(1) Humor ist es übrigens auch.
(2) Schuld, z.B. ist ein rein geistiges Konzept und hat keine emotionale Bedeutung. Wie gesagt vermischen sich in in der Realität aber die Formen ständig. So bringt die Kombination aus Schmerz (emotional) und Schuld (intellektuell) z.B. Rachsucht und schlechtes Gewissen hervor.
(3) Es drohen immer neue Verletzungen oder ständig von egoistischen Menschen ausgenutzt zu werden, Wahnsinn, Chaos...
Sind diese Vorstellungen wahr?
Uns hier oben im Norden, egal ob Männern oder Frauen, muss die Vorstellung von totaler Hingabe (und sogar noch Freude daran zu haben) besonders bedrohlich erscheinen, weil wir eine sehr rationale geprägte Kultur haben.
Wenn wir Menschen z.B. in Südeuropa und Südamerika oder viele indigene Völker anschauen fällt etwas auf:
Es wird dort viel hemmungsloser geweint, gelacht, Sexualität und Wut ausgedrückt, die Menschen sind oft hitziger und eifersüchtiger, sie tanzen mehr und sind impulsiver. Gefühlsregungen freien Lauf zu lassen wird dort im allgemeinen viel mehr respektiert.
Meiner Einschätzung nach gibt es dort nicht mehr Wahnsinnige als hier in Deutschland. Hingegen sind die Gruppenbindungen oft wesentlich stärker und die meisten von uns Nordeuropäern schwärmen von der Herzlichkeit und Lebensfreude der Menschen dort.
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