PFLANZENHEILKUNDE
Das erste Heilmittel war eine Pflanze.
Von Anfang an gebrauchten Menschen Pflanzen zum Heilen.
Sie wurden im Speichel zerkaut und auf Wunden aufgelegt, roh eingenommen oder als Tee aufgebrüht, geräuchert und zu Salben gekocht.
Die Erfahrungen, die über Jahrtausende durch Versuch und Irrtum gesammelt wurden wuchsen dann zu Systemen zusammen, die uns heute z.B. als westliche, chinesische oder ayurvedische Pflanzenheilkunde begegnen.
Vor über 5000 Jahren wurden schon Schriften zur Wirkung von Thymian verfasst.
Ägypter um 1000 v. Chr. sollen u.a. Cilantro, Minze und Knoblauch als Arzneien, Nahrungsmittel oder Färbemittel benutzt haben.
Im Altertum sammelten Botaniker, Mönche, Nonnen, Heiler und andere 'Weise' das pflanzenkundliche Wissen von den Ägyptern, Griechen, Kelten und Germanen und bewirkten viele für die damalige Zeit wundersame Genesungen.
Daher schrieb man Kräutern und Kräuterkundigen magische Eigenschaften zu, was mit der Zeit Aberglauben, Angst und Verdächtigungen schürte. Durch die Verfolgung vieler unserer Heilkundigen im Mittelalter durch die Inquisition ging uns hier im Westen ein Großteil dieses überlieferten Wissens verloren.
Menschen, deren Wissen über die Naturheilkunde uns bis heute erhalten geblieben ist, waren z.B. Hippokrates, Aristoteles, Hildegard von Bingen und Paracelsus.
Mittlerweile ist die Phytotherapie (Heilpflanzenkunde) eine Wissenschaft geworden, die auch aus der Schulmedizin nicht mehr wegzudenken ist. Denn die Natur stellt nach wie vor den größten Schatz an therapeutisch wirksamen Stoffen durch die Lebewesen, die sie hervorbringt.
Um 1600 wurden erstmals künstlich hergestellte chemische Verbindungen als Heilmittel in die Medizin eingeführt. Die meisten modernen Medikamente bestehen aus Einzelwirkstoffen die ursprünglich aus Pflanzen isoliert wurden. Aspirin, z.B., welches aus Acethylsalicylsäure besteht, kommt aus der Weide. Als man von Aspirin noch nichts wusste trank man bei Schmerzen Weidenrindentee.
Allerdings kann ein Medikament aus einem oder zwei isolierten Wirkstoffen nicht die ausgewogene Wirkung eines Krauts ersetzen. Eine Pflanze enthält sehr viele verschiedene Inhaltsstoffe, deren genaue Wirkungsweise, wenn überhaupt, nur isoliert erfasst werden können.
D.h. dass die verschiedenen Wechselwirkungen der Pflanzeninhaltsstoffe bis heute pharmakologisch kaum erfassbar, geschweige denn reproduzierbar sind.
Bei der synthetischen Herstellung von Einzelstoffen entsteht keine lebendige Dynamik wie wir sie von der Natur kennen.
So gleicht die Heilwirkung der ganzen Pflanze eher einer Gruppe kleiner Heinzelmännchen, während die Wirkung der aus der Pflanze extrahierten und verstärkten Monosubstanz an einen Vorschlaghammer erinnert. Gut, wenn man um den Nutzen von beidem weiß.
Durch den intelligenten Einklang der ganzen Pflanzen sind dauerhaftere und nebenwirkungsärmere Heilungen möglich. Synthetische Mittel sind hingegen oft schneller und hilfreicher wenn die Zeit drängt.
Deutschland braucht jährlich etwa 800 000 kg getrocknete Kamillenblüten, 450 000 kg Lindenblüten, 250 000 kg Huflattichblüten und -blätter; ähnliche Zahlen finden wir bei Baldrian, Schafgarbe u.a.
Der jährliche Umsatz im Heilkräuterhandel beläuft sich auf Dutzende von Millionen Euro.
Pharmakonzerne haben viele Landflächen aufgekauft, beispielsweise im brasilianischen Regenwald, um sie vor der Abholzung zu bewahren und so sichergestellt, daß Pflanzen mit medizinischen Bestandteilen dort weiterhin wachsen können.
Eine therapeutische Teemischung wird meist für etwa 6 Wochen zusammengestellt.
Danach wird sie „abgesetzt“ und gegebenfalls ein neues Teerezept zusammengestellt.
|